Tuesday, August 2, 2016

Buchpräsentation "Der Anatolische Panther"

Erstpräsentation "Der Anatolische Panther" am Mittwoch, den 28. September 2016, Russmedia, A-Schwarzach, 19 Uhr; Kartenreservierung: DAS BUCH, Messepark Dornbirn, Telefon 0043/557229570

Weitere Termine:

Freitag, 07. Oktober 2016, Bücherei A-Altach
Dienstag, 18. Oktober 2016, A-Wien, Kriminacht
Dienstag, 15. November 2016, D-Wangen im Allgäu
Dienstag, 14. Februar 2017, Bücherei A-Innsbruck




Monday, July 11, 2016

Stand der Dinge

Am Dienstag, den 13. September 2016, erscheint mein fünfter Roman, Der Anatolische Panther. Im September werden vier Jahre vergangen sein, seitdem der Haymon Verlag den letzten Roman (das Drama über eine Zeit nach einem Nuklearunfall, "Die Lieder, das Töten") veröffentlicht hat. Vier Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Ich habe mit Stephan Lacant und Karsten Dahlem an der Verfilmung meines zweiten Romans gearbeitet, ich bin beim Schreiben immer wieder in Sackgassen gelaufen, wieder umgekehrt, war unzufrieden, unglücklich, aufgewühlt, verwirrt, aber Georg Hasibeder, Progammleiter des Verlags, hat mich wieder dorthin gebracht, wo ich mich wohlfühle, und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich am Ende mit dem Skript, den Figuren, der Geschichte, den Dialogen glücklich sein werde.

In "Man Down" gibt es die Figur des Shane, diesem türkischen Dealer, der laut und böse durch die Welt bzw. München-Giesing poltert, und in einem Gespräch mit Schülern, die fast alle türkischstämmig waren, wurde mir klar, wie sehr sie von diesem Typen begeistert waren. Sie fragten mich, warum ich denn den so gut beschreiben hätten können, da ich ja kein Türke sei, darauf wusste ich keine andere Antwort, als dass zwei meiner besten Kumpels in meinen wilden Jahren türkischer Herkunft waren und mir viel Stoff geliefert haben (dass mein Schwager Türke ist, hat eher weniger damit zu tun; dass eine gute Freundin Kurdin ist, dann wieder mehr). Und die Schüler meinten dann, ich müsse einmal einen Roman schreiben, in dem so einer wie Shane die Hauptrolle hat. In dem ein Shane der Held ist. Dieser Enthusiasmus dieser Jugendliche für diese Figur, diesen wilden, dreisten Drogendealer, ist mir lange nicht aus dem Kopf gegangen. Shane war ja nicht gerade einer, den man so richtig liebgewinnen kann, er hintergeht nicht nur seinen besten Kumpel, nein, er ist sogar dabei, als er zusammengeschlagen wird. Und trotzdem ... "so geil!" ... "so abgefahren" ... Es war eben nicht Kai, der tragische Held von "Man Down", nein, es war Shane, den sie liebten.

Ich kann mich nun wirklich über zu wenige positive Rezensionen für "Man Down" beklagen (ganz im Gegensatz zum umstrittenen ersten Roman, den viele Journalisten zu jener Zeit für zu extrem befanden, allerdings nur so lange, bis das Deutsche Theater in Berlin den Stoff auf die Bühne brachte), und auch wenn man gern und oft behauptet, es wäre einem egal, was die Kritiker sagen, freut das einen hie und da, aber nichts hat mich so bewegt wie das Leuchten in den Augen dieser Jungs, wie ihr aufgeregtes Erzählen, ja, die beiden Lehrerinnen meinten danach, sie hätten meine Bücher aus der Schulbücherei rumgereicht wie Drogen.

Und jetzt, nach all den Jahren, liefere ich also, nach was sie verlangten. Die Hauptfigur des Anatolischen Panthers, Tarik, hat zwar nur wenig gemeinsam mit Senol Aydin aka Shane aus "Man Down", aber es gibt doch auch Parallelen - die beiden haben ungefähr dasselbe Alter, einen ähnlichen Background, leben im selben Milieu, lieben das Gras und die Mädchen ... Und wie die meisten meiner Figuren basieren beide auf echten Personen, aber natürlich werden diese realen Menschen verfremdet, wird viel dazu gedichtet und vieles gestrichen, und ich lasse einen neuen Menschen entstehen, sodass in den meisten Fällen sich auch niemand mehr wiederkennen kann.

Es war also ein langer Weg zur Veröffentlichung, 2014 bereits hat Marek Harloff aus dem neuen Roman im WDR-Radio gelesen, im selben Jahr bekam ich für einen Ausschnitt ein Förderstipendium des Landes Vorarlbergs und ebenfalls in Vorarlberg las ich im September 2015 bei den Bregenzer Literatur Tagen eine Stelle aus dem Anatolischen Panther. Noch zwei Monate, dann seht das Buch in den Läden und vielleicht liest es tatsächlich einer der Jungs von damals und ist glücklich mit dem, was ich geschaffen habe.

Sunday, June 12, 2016

"If religions don't modernize to accept LGBT and women's rights - Then religions need to die, not people." - Faisal Saeed Al Mutar

Tuesday, May 17, 2016

Der Anatolische Panther - VÖ: 13. September 2016

Schonungslos direkt, berührend und packend: Jagd auf einen Underdog

Kleiner Gangster, großes Herz: Seit der junge Türke Tarik seine Fußballkarriere aufgegeben hat, schlägt er sich in München mit kleinen Einbrüchen und Drogendeals durch. Er verbringt viel Zeit auf der Straße mit seinen Freunden Doogie, Sugo-Joe und Yiannis, allesamt einigermaßen gescheiterte Existenzen. Als sie bei einem Einbruch erwischt werden, hat die Polizei Tarik am Haken - und schlägt einen Deal vor: Tarik soll sich ins Umfeld eines Hasspredigers einschleichen, der sich "Derwisch" nennt und im Verdacht steht, einen Terroranschlag zu planen. Das geht schief, und plötzlich ist neben der Polizei auch noch der Derwisch hinter ihm her - und Tarik muss nicht nur sich selbst retten, sondern auch seinen geliebten Großvater, der von den Islamisten bedroht wird ...

Ausnahmetalent André Pilz: eine Stimme aus dem Untergrund
Heftig, ehrlich und ohne Tabus: André Pilz begleitet den türkischen Kleinkriminellen Tarik, einen sympathischen Underdog, auf einer atemlosen Verfolgungsjagd - und erzählt gleichzeitig eine berührende Geschichte von Angst, Hoffnung und dem Kampf um die eigene Zukunft. Schonungslos direkt und zugleich unglaublich einfühlsam, in einer einzigartig knappen und harten Sprache erzählt er von seinen Figuren.Tarik hat ein gutes Herz, auch wenn er alles andere als ein mustergültiges Leben führt. Umso mehr fiebert man mit, als er sich auf den Deal mit der Polizei einlässt, den Derwisch ausspioniert und schließlich zwei Verfolger ihm auf den Fersen sind.

(Haymon Verlag)

Monday, March 28, 2016

Terror 2016

video

Angela Merkel sagt, die Attentäter von Brüssel seien gottlos. Ich glaube, wenn die Attentäter nicht an einen Gott geglaubt hätten, wären sie einfach weiterhin Kleinkriminelle geblieben, hätten vielleicht auch Menschen verletzt, aber sie hätten nicht Menschen mit einer Bombe in die Luft gejagt, sodass die Opfer ihr Leben, ihre Gliedmaßen oder ihr Augenlicht verlieren. Das Problem ist nicht, dass diese Männer gottlos waren, sondern dass man ihnen einredete, sie wären Herrenmenschen, weil sie dem einzig wahren Gott dienten, der ihnen das Recht gibt, lebensunwertes Leben zu vernichten.

Und ich kriege auch mittlerweile einen Ausschlag, wenn ständig aufgerechnet wird, dass mehr Leute bei uns durch herunterfallende Blumentöpfe, Fischgräten oder Kirschkernspucker getötet werden. Und wenn ISIS oder Al-Quaida einmal ein chemischer Anschlag in Europa gelingt? Ein nuklearer? Was ist dann die Antwort? Noch mehr locker-flockige Gelassenheit, geschrieben in einem Hipster-Lokal auf einem Apple-Notebook bei einem Capuccino? Noch mehr dämliche Durchhalteparolen? In Afrika, in Asien (über 70 Tote in Pakistan gestern auf einem Kinderspielplatz, schon gehört?) werden Menschen von Islamisten ermordet, gefoltert, verstümmelt. Frauen und Kinder zu Sexsklaven gemacht. Wer da glaubt, man könne das Problem weglächeln, weil fliegende Blumentöpfe bei uns (im Moment noch!) eine größere Gefahr für uns seien, der könnte eines Tages ganz gewaltig auf die Fresse fliegen. 

Ich respektiere auch den Liedermacher, der sagt, er wolle lieber sterben, als jemanden in Selbstverteidigung zu töten. Ich kaufe ihm ab, dass das seine Überzeugung ist, das ist auch okay, die Frage darf aber erlaubt sein, ob es nicht etwas leicht ist, diese Meinung in einem Hofgarten in München zu haben, wo er gemütlich sein Bier trinkt und nicht gar so bedroht ist, wie es die Kurden oder Yesiden in Syrien bzw. Irak oder Christen in Pakistan sind. 

Ja, die meisten Opfer von Islamisten sind Moslems, die besten Kämpfer gegen Islamisten sind Moslems (meist in Verbindung mit westlichen Spezialtrupps), aber auch bei uns gibt es längst 1000e, die Sympathien für sie haben und auch bereit sind, Gewalt anzuwenden, und es werden jährlich mehr. Das hat sich seit Jahren angekündigt, aber man hat Augen, Ohren und Mund zugemacht. Wer jetzt aber noch fromm weiterschläft, der könnte nicht nur zu spät, sondern auch nie mehr aufwachen. 

Video: Ein weiteres Dorf in Syrien wurde von ISIS befreit, SDF-Anhänger hissen die Fahne

Sunday, February 28, 2016

2016


Sonntag, 20.03., NDR-Info: Hörspiel "Man Down", basierend auf dem gleichnamigen Roman von André Pilz; Regie: Elisabeth Putz; Mit Mit Pit Bukowski, Furkan Akdag, Cosima Lehninger, Nisan Arikan, Til Butterbach, Daniel Michel, Mandjou Doumbia u.a.

Kai ist 25 und am Ende. Nach einem schweren Arbeitsunfall findet er keinen Job mehr, seine Wohnung ist kaum mehr als ein Verschlag, er selbst benebelt sich das Hirn mit Alkohol und Drogen, mit denen ihn sein türkischer Freund Shane großzügig versorgt. Bei dessen kriminellen Brüdern steht er tief in der Kreide.

Es dauert nicht lang, und sie unterbreiten ihm ein zweifelhaftes Angebot: Er kann seine Schulden abarbeiten, wenn er als Drogenkurier für sie in den Ring steigt. Hat er eine Wahl?

Immer tiefer gerät Kai in einen Strudel, der ihn abwärts zieht. Und ob die Liebe ihn daraus retten kann, ist mehr als fraglich, denn die junge Frau, der er sich in aller Radikalität verschreibt, ist definitiv nicht das, was sie zu sein scheint. 

(Text: NDR)

 

 August: DER ANATOLISCHE PANTHER (neuer Roman)





Saturday, February 27, 2016

Saturday, February 20, 2016

Die Dampfplauderer im TV sind mitschuld an der syrischen Katastrophe ...

Dass Leute wie Michael Lüders nach all dem Mist, den sie in den letzten Jahren über den Krieg in Syrien verzapft haben (z.B. gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass der Westen um keinen Preis eingreifen dürfe, weil das einen Flächenbrand zur Folge hätte), immer noch Bestsellerautoren und "Experten" in den öffentlich-rechtlichen Programmen sind, ist vielleicht mit ein Grund, warum die deutsche Regierung so eine miserable Nahostpolitik macht, die nichts weiter schafft, als Flüchtlinge.

Thursday, January 7, 2016

André Pilz,

geboren 1972 als Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin, wächst in Vorarlberg auf, wo er das Gymnasium in Bregenz besucht. Nach seiner Schulzeit verdient er sein Geld als Briefträger und Gitarrist. 1992 Umzug nach Innsbruck, wo er jobbt und studiert.
Als leidenschaftlicher Fußballfan lernt er die Hooligan- und Skinheadszene in den Stadien kennen und beginnt, darüber Songs und Texte zu schreiben. Sein Debütroman No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz (2005) erzählt die Geschichte des Skinheads Rico Steinmann, der sich in die mexikanische Studentin Maga verliebt. In Deutschland wird Weine nicht, mein Schatz zum Kultroman und in Internetforen gefeiert. Der Regisseur Robert Borgmann wird auf das Buch aufmerksam und bringt es an einem der renommiertesten Theater Deutschlands auf die Bühne: Weine nicht feiert am 15. September 2007 am Deutschen Theater in Berlin Premiere, mit Marek Harloff als Rico Steinmann und Alwara Höfels als Maga in den Hauptrollen. Das Stück läuft zwei Spielzeiten lang mit großem Erfolg. Theatertantiemen und Lesungen bringen die finanzielle Unabhängigkeit, die es André Pilz erlaubt, fortan als freier Schriftsteller tätig zu sein.
Zwei Jahre nach Weine nicht folgt der zweite Roman: Bataillon d´Amour – Eine Geschichte von Liebe und Gewalt (2007) schildert den Leidensweg einer jungen Frau aus Lateinamerika, die in Deutschland zur Prostitution gezwungen wird. Im selben Jahr wird der Autor im Rahmen der Dokumentation „Hooligans – Die dunkle Seite des Fußballs“ des Schweizer Fernsehens SF 1 interviewt. 2008 erhält André Pilz ein Arbeitsstipendium des Landes Vorarlberg, sein dritter Roman Man down erscheint am 6. Februar 2010 im Haymon Verlag. Im Juli 2010 wird eine Theateradaption von Man Down in Halle 7 in München aufgeführt. Das Theater Kosmos in Bregenz führt ein Kurz-Stück im Rahmen des Projekts „7 Todsünden“ im Januar 2011 auf. Einen Monat später erscheint der Kurzkrimi „7 fucking tracks“ in der Anthologie "He Shot Me Down" im Rotbuch-Verlag. 
Im Herbst 2012 erscheint beim Haymon-Verlag "Die Lieder, das Töten". Der Roman wird für den Kurd-Laßwitz-Preis in der Sparte "Bester Science-Fiction-Roman 2012" nominiert.
Im Mai 2014 gewährt die "Kunstkommission Literatur" des Landes Vorarlberg im Rahmen des "Literaturpreises 2014" André Pilz ein Arbeitsstipendium. 
Im Frühjahr 2016 wird der fünfte Roman "Derwisch" beim Haymonverlag erscheinen und das Hörspiel "Man Down" im NDR präsentiert.






http://www.jugendkulturen.de


TV-Kurzporträt/Interview:
http://www.youtube.com/watch?v=WHmRWKlVNR0


Romane:
No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz. Ein Skinhead-Roman (Berlin, 2005)
Bataillon d’Amour – Eine Geschichte von Liebe und Gewalt (Berlin, 2007)
Man Down (2010)
Die Lieder, das Töten (2012)

"No llores, mi querida - Weine nicht" als Bühnenstück:


"Weine nicht", Deutsches Theater Berlin, Regisseur: Robert Borgmann
http://playservice.iti-germany.de/index.php?1=1&direkt_count=0&id=2602&page=play_det
http://www.welt.de/welt_print/article1201453/Skinheads_am_Deutschen_Theater_in_Berlin.html

"Man Down" als Bühnestück:
Regie: Michael von Oppen, Uraufführung: 23. Juli 2010, Halle 7, München

"Die 7 Todsünden" - Bühnenstück Theater Kosmos Bregenz - *****Uraufführung: 28. Jänner 2011

http://www.theaterkosmos.at/nav/f2.htm

Alle Porträtfotos von mir auf diesem Blog wie auch auf anderen Websites:
DORIS DOPPLER
http://www.dorisdoppler.com/
www.ddoppler.com

CAMILA TORRES C.
http://www.blogger.com/profile/02157295322997851073

KONTAKT:
Presse: Gerlinde.Tamerl@haymonverlag.at

Lesungen: yotanka4 (at) yahoo.de
valerie.besl@vielseitig.co.at
http://www.vielseitig.co.at/

 

FACEBOOK:
http://www.facebook.com/pages/Andr%C3%A9-Pilz-Man-Down/356155852999

-->

Wednesday, January 6, 2016

Tefay

2011 habe ich wütend geschrieben, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen sich nicht für Assads Morden in Syrien interessieren, aber gewiss eines Tages Theaterstücke oder Filme oder Bücher produzieren würden, in denen sie das Sterben und Leiden verarbeiten, ich habe prophezeit, dass es dann dafür vielleicht einen Oscar geben wird oder einen Literaturpreis, viel Applaus jedenfalls, man drückt sich auf den Publikumsrängen ein paar Tränen aus und fragt sich bei Sekt im Foyer, wie das denn nur hat geschehen können. Hach, furchtbar, schlimm, Folter, Fassbomben, Hungerblockaden …
Als Autor habe ich mich meist den Geschichten verpflichtet gefühlt, die mich aufwühlen, weil die Ungerechtigkeit, das Leid, das Wegschauen für mich unerträglich war.
2015 gab es mehrere Geschichten, die mich über Wochen und Monate, ja überhaupt nicht losgelassen haben bis heute. Eine davon ist die Geschichte von Tefay, einem jungen Mann aus Eritrea. Um es ganz kurz zusammenfassen: Tefay flüchtet vor einem verbrecherischen Regime, als dieses ihm verbietet, die Hochzeit seines Bruders zu besuchen. Er flüchtet in ein Land, in dem er sicher ist, in dem er einen Job hat, sein Chef ist mehr als zufrieden, alles läuft gut, bis dieses Land Gesetze ändert, Tefay verliert seinen Job, muss in eine Unterkunft für Flüchtlinge. Als er einmal zu spät in der Nacht erscheint, muss er ins Gefängnis, in dem auch Schwerverbrecher untergebracht sind. Danach beschließt er, das Angebot des Staates anzunehmen: 3.500* Dollar für die Ausreise. Tefay geht nach Libyen, wo er von ISIS-Barbaren gekidnappt und als vermeintlicher Christ grausam ermordet wird.
Seit ich darüber gelesen habe, verfolgt mich die Geschichte. Mir gehen die beiden Fotos nicht aus dem Kopf: auf dem einen ein scheinbar lebenslustiger junger Mann voller Pläne und Hoffnungen, ein Mann, der offenbar nie etwas Böses in seinem Leben gemacht hat, der nur auf der Suche nach einem besseren Leben war, daneben das Foto eines jungen Mannes in einem orangen Overall in Gefangenschaft der ISIS-Barbaren, das Foto eines Menschen, der weiß, dass er gleich sterben wird.
Jedes Mal, wenn diese Bilder in meinem Kopf auftauchen, verspür ich diesen Schmerz. Und wenn ich nun einen Roman über Tefay schreiben würde, wäre ich dann nicht genau wie die, die mich so wütend machten? Ich könnte zwar behaupten, dass ich nie zu Syrien geschwiegen habe, andererseits war ich ja genauso machtlos, als hätte ich geschwiegen.
Ich habe keine Antwort gefunden bisher, keinen Entschluss gefasst. Ich könnte dem Leben und Sterben dieses Menschen ja auch nie gerecht werden, denke ich mir — und dann doch wieder: dass so ein Leben einfach sinnlos ausgelöscht wird und verschwindet, das darf nicht sein. Viel kann ich nur tun, nur etwas ganz Kleines, aber vielleicht ist das ja doch besser, als nichts zu tun.
Ich weiß es nicht.

* die 35.000 in der ursprünglichen Version waren natürlich ein Tippfehler, sorry ...

Tuesday, January 5, 2016

Deutschland 2016

Gibt es zwischen Volksverhetzung/blindem Hass und dem Verschweigen/Verharmlosen von Problemen noch irgendeinen Zwischenweg? Man ist entweder Neonazi oder Gutmensch, alle hocken in ihren Schützengräben und verballern ihre Munition. Probleme lösen wird das nicht.

(Der Screenshot ist keine Satire, die Redaktion von heuteplus hat die Frage tatsächlich auf Twitter gestellt.)

Saturday, January 2, 2016

I am a writer


I am a writer. I have authored four novels, which were published by two publishing houses. I have written one short theater play, and two of my novels were turned into theatre plays, one of which ran at the Deutsche Theater in Berlin. One my novels will also be broadcasted as a radio play next year. My first novel was published in March 2005, and the new one will hit the bookstores in April 2016, I also have recently been working with two directors on a movie based on my 3rd novel Man Down.

However, ten years are enough to question whether it has all been worth it. Has this been worth the struggle?

I am no bestseller author. I guess I never will be. My style, my topics are neither for the masses nor for the ones who decide which writers get grants (although I have won two so far).

A young skinhead, a girl forced into prostitution, a young man who can only pay his debts by trafficking drugs, a man who goes into an evacuated zone after a nuclear power plant disaster, a young Muslim forced to break into a hate preacher’s house. My heroes are broken creatures. Poor, unlucky, lonely, at times unkind and brutal, trying to survive.

I use foul language, something which was rather uncommon in the German speaking world until very recently. My works are not for the faint of heart. Radio stations which broadcast excerpts from my novels often censor my words. I write about people and topics about which I wanted to but could not read when I was in my twenties because hardly any writers dared to broach them. Those were the halcyon days of young German yuppie writers. Almost popstars, well dressed, smart, weekly guests in famous talk shows.

They did not write about my world. They did not write about the people in my daily life. There did not write about my life, my loves, my hunger, my passions. I enjoyed reading them, yes. Solid entertainment. But I hungered for something different.

Sometimes people suggest that I write something more commercial. Something that could potentially reach the top 10 bestsellers list. “Don’t be too hard on your readers. Cut out some of the violence and sex.”

The funny thing is — perhaps I would if I could. But I can’t. I cannot rid myself of me and write from a place of dishonesty. This is me. This is the way it has to be. I do, of course, reach compromises with my editor. Naturally, sometimes a scene just does not work. All in all, however, what I write is what I am. Sometimes, it feels as if a marathon runner is being asked to run a bit faster over a short distance and compete on the 100m race. It simply does not.

Back to the original question: Has this been worth the struggle? There have been ups and downs, and the downs hit me hard, but I always got back on my feet. The ups always have always come when the uncertainty has been most overwhelming. Money has always flown in when I on the verge of financial ruin.

I shudder when I think about the very real possibility that one day no publishing house will buy my scripts anymore, that no theatre will want my stories on stage… I am forty-three. What will I do then? More than 15 years ago, I had many roads to choose from; I chose this one, and I will walk it to the end.

I guess this is not a question that can be rationally answered. But when I do think about it, I inevitably think of Tommy, from Football Factory, who recounts all the bad things that have happened to him and his friends but finally concludes: “After all that, you really do have to ask yourself if it was all worth it… ‘course it fucking was!”

Follow me on medium.com: https://medium.com/@Radog/i-am-a-writer-8be9b48bd7da#.la7jh2wdi

Friday, December 11, 2015

"Man Down" laut Focus eins der zehn besten Bücher 2010

Vor genau fünf Jahren hat das Magazin FOCUS "Man Down" als eines der zehn besten Büchern des Jahres 2010 bezeichnet. Im April 2016 wird mein fünfter Roman "Derwisch" im Haymonverlag erscheinen.

http://www.focus.de/kultur/buecher/tid-20660/geschenktipps-fuer-harte-jungs_aid_579234.html


Thursday, December 3, 2015

Don't bomb Syra, Mr. Putin (and as long as he does we should not)


Screenshot: New York Times



Seit beinahe fünf Jahren verfolge ich den Aufstand in Syrien. Würde ich nur den (Pseudo-)Experten im deutschen Fernsehen folgen (z.B. Michael Lüders, Bestsellerautor und Assad-Weichspüler der ersten Stunde), würde ich wohl genausowenig wissen wie die meisten Regierungen in Europa in den letzten Jahren, die mit katastrophalen Fehlentscheidungen das Desaster mitzuverantworten haben.

Ich habe versucht, ein kleines Netzwerk aufzubauen, Aktivisten/Menschen vor Ort, sowie Journalisten aus der Region (Zaina Erhaim z.B. wurde eben von Reporter ohne Grenzen zur Journalistin des Jahres 2015 gewählt) bzw. welche, die selbst gut vernetzt sind. Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen sagten in den letzten Stunden eindeutig: Luftschläge gegen ISIS sind sinnlos. Sie sind sinnlos, weil als der größte Terrorist zuerst Assad angesehen wird. Assads Staatsterror und Putins Massaker an Zivilisten bzw. sein Bombardement vor allem auf eher moderate Rebellen in den letzten Wochen müssten zuerst oder jedenfalls gleichzeitig beendet werden.
Eine Zusammenarbeit mit Putin oder gar Assad sehen sie als Dummheit und Verbrechen. Einzig einige kurdische Kontakte begrüßen Luftschläge gegen ISIS, da ihre Kampfverbände gute Erfahrungen mit US-Unterstützung aus der Luft gemacht haben. Auch sehen manche die russischen Luftschläge weniger negativ bis positiv, das hat aber auch mit den in den letzten Tagen größer werdenden Spannungen zwischen Kurden und Arabern zu tun und Putins Streit mit Erdogan.

Ich bin kein Militärexperte, aber rein von dem, was ich all die Jahren gelesen habe, kann ich mir auch schwer vorstellen, dass die Luftschläge die Situation verbessern könnten. Was bringt das den von der Satansbrut gefangen gehaltenen yesidischen oder christlichen oder kurdischen Frauen und kleinen Mädchen, die zu Sexsklaven gemacht wurden? Werden sie dadurch befreit? Was bringt es den von Gefangenen, denen Verbrennen bei lebendigem Leib oder irgendeine andere unfassbare Folter vor dem Tod droht? Was den Homosexuellen, die von Hochhäusern in die Tiefe geworfen werden? Was, wenn die Luftschläge diese Islamisten nur zusammenschweißt, wenn die Luftschläge zuviele zivile Opfer fordern? Wenn die Angriffe ISIS zwar schwächt, aber nicht genug? Bekommen die dann nicht sogar den Mythos der Unbesiegbarkeit?

Ich habe vor über einem Jahr schon gesagt und meine Meinung nicht geändert: Es braucht Bodentruppen, um ISIS in Syrien und im Irak zu besiegen. Eine Expertin sprach von einer Viertel Million Soldaten, die über Jahre dafür nötig wären. Obama ist dazu nicht bereit, wir können (und wollten) es nicht. Bleiben die Kampfverbände vor Ort. Die letzten Reste der FSA-Armee werden gerade von Putin pulverisiert. Die Kurden sind schlagkräftig, kämpfen einen heroischen und sehr erfolgreichen Kampf (ich möchte jetzt einfach nicht glauben, dass es jetzt zur weiteren Eskalation zwischen kurdischen Kämpfern und arabischen - moderaten - Einheiten kommt), werden aber alleine ISIS nicht schlagen können, das ist jedem klar.

Schiitische Verbände hingegen begehen selbst zu viele Verbrechen, manche von denen sind mit den Verbrechen von ISIS gleichzusetzen. Außerdem sehen die meisten von ihnen die USA und ihre Verbündete eher als Feinde, denn als Freunde. Die irakische Armee fordert von den USA viele schwere Waffen und ermahnt sie gleichzeitig, draußen zu bleiben, was aber, wenn diese Waffen dazu benutzt werden, um dann generell gegen alle möglichen Sunniten vorzugehen? Das würde den Zulauf zu ISIS nur befeuern.

Man sieht schon – die Situation ist verfahren, ist auch in meinen Augen kaum auf eine Art zu lösen, die wenig Schaden ausrichtet und wenig Leid verursacht.

Stellvertretend für die Männer vor Ort, die Islamisten bekämpfen, ein Porträt eines Mannes, der in Guantánamo einsaß und nun für die US-unterstützte Regierung in Afghanistan gegen Taliban und ISIS kämpft. 18 seiner Familienmitglieder wurden ermordet. http://www.nytimes.com/2015/11/28/world/asia/once-inguantanamo-afghan-now-leads-war-against-taliban-and-isis.html



Was den deutschen Einsatz in Syrien angeht. Völlig meschugge wird das ja, wenn es wahr sein sollte, dass die Erkenntnisse der Aufklärungsflüge auch Assad und Putin zur Verfügung gestellt werden sollen.

WIE BITTE?! Frau Merkel öffnet die Grenzen für alle syrischen Flüchtlinge, unterstützt dann aber im Krieg die Herrscher, wegen der diese Menschen zuallererst flüchten? (die Aussage “Flüchtlinge flüchten vor ISIS!-Terroristen”, wird nicht wahrer, je öfter sie wiederholt wird - jede Umfrage zeigt, dass die allermeisten vor Assads Bombenkrieg flüchten, dann vor ISIS) Das ist dermaßen schizophren und bescheuert, aber ich würde mich nicht wundern, wenn das am Ende so gut wie keinen mehr stört. Wir leben nun mal in bekloppten Zeiten und von dieser planlosen Regierung, sowohl in der Flüchtlingsfrage wie auch in der Nahostpolitik, erwarte ich mir nur noch eines: Nämlich gar nichts mehr. Merkel müsste dann aber auch so konsequent sein, in die deutschen Flüchtlingslager gehen und all den vielen Deserteuren aus der Assad-Armee sagen: Jungs, jetzt geht dann mal wieder zurück, denn warum sollen deutsche Soldaten an Seite Putins und Assads in Syrien kämpfen, während ihr hier rumhockt?

Wer bis hierher gelesen hat, dem kann ich jetzt nur noch meine Ratlosigkeit gestehen. Hätte Obama oder irgendeine Allianz vor zwei, drei Jahren eingegriffen und Assads grausamen Treiben ein Ende gemacht, wie nicht nur ich, sondern auch einige, wenn auch wenige Journalisten, gefordert haben, müsste man heute nicht darüber abstimmen, ob man ISIS bombardieren soll. Aber was haben die Experten und Politiker davon geschwafelt, man dürfe dort um keinen Preis eingreifen, das würde zur Eskalation führen, was sind die Friedensdemonstranten, denen Assads Terrorkrieg und Folter scheißegal war, trommelnd durch die Straßen marschiert. Auch heute hyperventilieren viele dieser Linken, wenn Kampfjets aufsteigen sollen, sie machen aber keinen Mucks, wenn Putin oder Assad täglich Menschen töten. Man hat diese Katastrophe, weil man zu lange zugeschaut hat, die Lage völlig falsch eingeschätzt und auf die falschen Leute gehört.

Ich habe leider wenig Hoffnung, dass sich daran was ändert. Einer der ganz großen Fehler liegt für mich noch mehr Jahre zurück – man hätte gegenüber Russland eine andere Politik betreiben müssen, Putin mehr einbinden, hier liegt eine große Tragik. Bei einem besseren Auskommen mit Russland wäre die Eskalation in der Ukraine und in Syrien wahrscheinlich ganz anders gelaufen.

Abschließend dazu noch ein guter Artikel von Michael Weiss – und den Mythos vom russischen Anti-Terrorkrieg in Syrien. Herr Steinmeier, Frau von der Leyen, haben Sie den gelesen? http://www.interpretermag.com/5-myths-russias-false-isis-narrative-in-syria/

Tuesday, November 24, 2015

Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts


Mehr als einmal habe ich den syrischen Bürgerkrieg als Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Noch immer hoffe ich, dass das geschundene Volk bald einen Frieden findet und der Konflikt nicht zu einem Krieg Russland-NATO ausartet. Aber die Geschehnisse spitzen sich zu und das Leid geht weiter. 

Tagesende

Unter einem fahlen Glanze
Lärmt das Leben ohne Sinn,
Tollt und taumelt wild im Tanze.
Sieh, da kommt die Trösterin,

Kommt die Nacht vom Himmelsrande,
Alles stillend, selbst die Gier,
Alles löschend, selbst die Schande,
»Endlich!« sag‘ ich froh zu mir.
Denn mein Geist und meine Glieder
Flehen heiss die Ruhe nieder;
Müd von finstrer Träume Streit
Will ich mich zum Schlafe strecken,
Hüllen mich in deine Decken,
Wohlig kühle Dunkelheit!


(Charles Baudelaire)








Wednesday, November 18, 2015

Derwisch

video
Später als geplant, nämlich erst 2016, wird der neue Roman "Derwisch" erscheinen. Ein junger türkischstämmiger Deutscher wird von einem dubiosen Polizisten erpresst, in das Gebetshaus einer islamistischen Sekte einzusteigen. Natürlich läuft die Sache völlig aus dem Ruder, der Mann muss fliehen und wird von Radikalen und Polizisten gejagt.

Ebenfalls 2016 wird der NDR das Hörspiel zu "Man Down" senden. Regie führte Elisabeth Putz, Cosima Lehninger, Pit Bukowski und Marek Harloff werden u.a. als Shane, Marion und Armin zu hören sein. Man darf sich auf die Ausstrahlung freuen, es ist was richtig Gutes entstanden. 

Und für alle, die sich schon Weihnachtsgeschenke überlegen - Den Roman "No llores - Weine nicht, mein Schatz" gibt es für begrenzte Zeit für lediglich 5 Euro zu kaufen. In Buchhandlungen, bei Amazon oder direkt bei www.jugendkulturen.de (bitte Angaben zu Lieferkosten beachten)

Ich wünsche allen eine schöne Vorweihnachtszeit und dass von Paris bis Beirut, von Yola in Nigeria bis Sydney die Reihen endlich geschlossen werden und man gemeinsam gegen die Barbaren kämpft, Nationalität und Religionszugehörigkeit spielen dabei keine Rolle.

Tuesday, November 17, 2015

NDR-Hörspiel "Man Down"



Die Regisseurin Elisabeth Putz hat für den NDR aus meinem dritten Roman "Man Down" ein Hörspiel gemacht, Cosima Lehninger, Pit Bukowski und Marek Harloff* haben u.a. (die weiteren Namen liefere ich bald nach) waren dabei, das Ergebnis macht mich glücklich und ich freu mich schon auf die Ausstrahlung nächstes Jahr.

*1. Fotos: Pit, Cosima, Elisabeth, 2. Foto: Pit, Cosima, Elisabeth, 3. Foto: Marek, Elisabeth

Friday, October 30, 2015


"Alle große politische Action besteht in dem Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist."

(Ferdinand Lasalle - und man darf gerne auch "Politik" durch "Literatur" ersetzen)

Wednesday, October 28, 2015

Tuesday, October 20, 2015

miromente ... und eine Todsünde ...

Vor ein paar Jahren hat das Theater Kosmos in Bregenz sieben Autoren gebeten, je eine Todsünde für ein Theaterstück zu bearbeiten. Witzigerweise habe ich jetzt mitbekommen, dass mein Stück "Geiz" auch abgedruckt wurde - nämlich in der kleinen, feinen Literaturzeitschrift miromente (Zeitschrift für Gut und Bös), Ausgabe 26, Dezember 2011. http://www.miromente.at/index.php?id=6941

Bestellen lässt sich diese oder jede andere Ausgabe hier: http://www.miromente.at/ 

Herausgeber sind Daniela Egger, Ulrich Gabriel und Wolfgang Mörth.

Friday, October 2, 2015

Töten und Sterben in Syrien

Vor ein paar Jahren habe ich in meinem Blog wütend geschrieben, dass die meisten Staaten im Westen Assads Morden in Syrien ignorieren würden, aber eines Tages würde es gewiss einen Spielfilm oder Roman über das Morden und Sterben geben, wir würden im Kino stehen und uns ein paar Tränen wegwischen, im Foyer erschüttert diskutieren, stehend applaudierend einen Oscar oder Pulitzerpreis vergeben.

Vor ein paar Tagen bin ich Flüchtlingen am Lindauer Bahnhof begegnet. Darunter war ein Mann, der wohl um die zwanzig war, aber wie ein alter Mann aussah. Völlig am Ende, gebrochen, abgemagert, kaum mehr fähig, sich auf den Beinen zu halten.
Es wird nie einen Spielfilm, einen Roman, ein Theaterstück oder Gemälde geben, dass das Leid so beschreiben kann wie der Anblick dieses Menschen. Vielleicht darf es auch nichts von alledem geben, weil das eine Verhöhnung der Opfer wäre, die vergeblich um Hilfe gefleht haben.

Ich war damals der Meinung, in Syrien würde auch das Schicksal Europas entschieden, ich glaube, so falsch lag ich damit nicht.
Wir werden für unsere Sünden bezahlen und es wird unsere Länder für immer verändern, egal, wie heftig wir uns dagegen wehren.

Thursday, September 24, 2015

Lieber Bashar, 

ich weiß, Du hast über 10.000 Menschen in kz-ähnlichen Lagern und Geheimgefängnissen zu Tode foltern lassen, und ja, noch immer schmeißt Du fast täglich Fassbomben auf Zivilisten, oh, Bashar, Du hast ganze Stadtviertel aushungern lassen, Chemiewaffen eingesetzt, Du bist der Ursprung der syrischen Katastrophe und eine Viertel Million Syrier sind bereits gestorben, fast das ganze Land ist auf der Flucht vor Deinem Krieg oder den ISIS-Barbaren, die Du künstlich am Leben gehalten hast, damit der Westen Dich nie fallen lassen kann, aber ich als Mutti aller Deutschen flehe Dich jetzt an, damit aufzuhören, der Horsti hat mir klar gemacht, dass wir nächstes Jahr keine 3 Millionen Syrer aufnehmen können und nein, militärisch ist von uns nie was zu erwarten, wir sind zwar groß dabei, illegal Waffen an mexikanische Drogenkartelle oder Militärs zu verkaufen, die damit Indios massakrieren, aber in der Region stecken wir lieber den Kopf bis zum Anschlag in Erdogans Hintern, obwohl der die einzige Truppe bombardiert, die schlagkräftig gegen ISIS auf dem Boden kämpft, wir hofieren die Machthaber in Teheran, obwohl deren Milizen in Syrien und im Irak nicht selten genauso grausam wie ISIS massakrieren, oder die Machthaber in Saudi-Arabien, die den Jemen in Schutt und Asche legen, ach, ich gebe zu, mir ist das alles längst zuviel, ich habe keinen Durchblick mehr, ich merke nur langsam, dass mir die Sicherungen im Kopf durchbrennen und dass Open Borders doch nicht die ultimative Antwort auf alle Krisen der Welt sind ... also, lieber Bashar, bitte verhalte dich jetzt wie ein guter Vati und hör auf zu morden, ich flehe Dich an.

Liebe Grüße aus Berlin

Mutti

Friday, September 4, 2015

Lesung bei den Bregenzer Literatur Tagen, 3. September 2015


Tolle Lesung gestern in Bregenz bei den "Literatur Tagen", auch wenn das Wetter eine Open-Air-Veranstaltung nicht zugelassen hat. Mein Text aus "Derwisch" stand in großem Kontrast zu Vea Kaisers Geschichte, aber gerade das hatte für die Zuhörer, wie ich hoffe, auch seinen Reiz. Dass Besucher nicht mehr reingelassen werden konnten, weil der Saal schon zu voll war, erlebt man als Autor natürlich gerne. Danke für die lieben Rückmeldungen und danke an Katharina Leissing, die den Abend so schön moderiert hat.


Friday, August 21, 2015


Schöne Urlaubsmail bekommen, inklusive Foto - "Bataillon" auf Weltreise ... Immer Balsam für die Schriftstellerseele, vielen Dank!

Und so geht's weiter ... Am 3. September lese ich um 19 Uhr am Kornmarktplatz in Bregenz bei den Literatur Tagen aus dem neuen Roman, am 21. September beginnen die Aufnahmen des NDR in Hamburg für das Hörspiel von "Man Down". Elisabeth Putz führt Regie, Pit Bukowski spricht Kai,Cosima Lehninger Marion, und ich hoffe, dass es auch mit Marek Harloff klappt, der ja schon Rico aus "No llores" am Deutschen Theater in Berlin gespielt hat. Wer Zeit und Lust hat, soll doch in Bregenz vorbei schauen, Katharina Leissing hat ein wunderbares Literaturfestival vorbereitet, wer mit meinen Texten nichts anfangen kann, dem gefällt ja vielleicht Vea Kaiser, die nach mir liest, oder am nächsten Tag Maya Rinderer (so jung und schon so gut) und Vladimir Vertlib (eben auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gesetzt) usw. An drei Tagen ist bestimmt für jeden Geschmack etwas dabei und der Eintritt ist frei! 

Friday, June 19, 2015

We shall overcome - Richard Wrights "Native Son"

video
We shall overcome - So gut wie kein Roman in meiner Jugend hat mich so gefesselt wie Richard Wrights "Native Son" von 1940, der das Leben eines armen Afroamerikaners in einem Slum in Chicago beschreibt, eine Welt voller Hass, Gewalt und Rassismus. Vieles, was ich danach in der Schule lesen musste, fand ich langweilig, nichtssagend und kraftlos. Deshalb hab ich auch so manche Pflichtlektüre nie gelesen, dafür Native Son mehrmals. Wie ich das Buch all die Jahre später bewerten würde, weiß ich nicht, meistens ist es besser, Lieblingsbücher aus der Jugend nicht wiederzulesen, weil sie einen viele Jahre später enttäuschen. Damals aber war "Native Son" die berühmte Axt für das gefrorene Meer in mir. Ein Buch, das ich einfach auch nur so mit mir in der Schultasche trug, um es bei mir zu haben, ohne dass ich es gelesen hätte.

1940 ist lange her und doch auch wieder nicht. (Und - man stelle sich vor - in Deutschland ist es 2015 kein Kündigungsgrund für Polizisten, Mitglied des Ku-Klux-Klans zu sein.)

Video: Miami Herald, Charleston, S.C. church honors the slain with "We Shall Overcome"



Wednesday, June 10, 2015

Eva Rossmann empfiehlt "Bataillon d'Amour"



Vor zehn Jahren habe ich begonnen, "Bataillon d'Amour zu schreiben". Demokratien reagieren langsam auf Missstände, in Punkto Zwangsprostitution muss man aber sagen - sie haben bis heute so gut wie gar nicht reagiert bzw. wenn etwas geändert wurde, haben die Gesetze das Problem nicht gelöst, sondern eher noch verschärft. Wenn man sich die hysterische Bundeshymnen-Diskussion im Parlament anschaut und vergleicht mit der Aufmerksamkeit, die dieses Leid erfährt, dann kommt man schon ins Grübeln ... There's something wrong with the world today ...

Thursday, June 4, 2015


Mein Geburtstag vor 14 Jahren - Die ÖVP regierte mit der FPÖ Österreich, George Bush Jr. die Vereinigten Staaten, Silvio Berlusconi Italien ... und wir waren trotzdem gut drauf!

Saturday, May 23, 2015


Am Donnerstag, den 3. September ist es soweit, da werde ich zum ersten Mal aus meinem neuen Roman lesen - und das auch noch draußen, wenn das Wetter passt: In Bregenz am Kornmarktplatz im Rahmen des Vorarlberger Literatursommers. Bei Regen findet die Lesung im vorarlberg museum statt, und wer mit meinen Texten weniger anfangen kann, darf sich auf Vea Kaiser freuen, die liest nämlich nach mir. Um was es im neuen Buch geht? Held ist Tarik Y., der von einem Polizisten gezwungen wird, in das Gebetshaus einer fanatischen islamistischen Sekte einzubrechen ... Aber wie in "Man Down" sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen, und eine Eskalation ist unausweichlich.

Thursday, April 23, 2015

Welttag des Buches


Heute ist der 20. Welttag des Buches, was Schlaues fällt mir dazu leider nicht ein, aber ich freu mich, wenn ich noch Menschen sehe, die nicht auf ihrem Smartphone tippen, sondern in der U-Bahn oder im Park oder im Café ein Buch in Händen halten, und noch mehr freut es mich, wenn das junge Menschen sind. 2/3 der Leser seien mittlerweile weiblich in Deutschland hieß es in Leipzig auf der Buchmesse, bei der Quote derjeniger, die die Bücher kaufen, sei der weibliche Anteil sogar noch höher. Möchte ich nicht kommentieren, könnte es aber sein, dass der Umstand, dass die Mädels die Burschen in der Schule abhängen, auch damit zu tun hat? Julia Bähr von der FAZ bekannte auf ihrem Blog, dass sie "Man Down" Männern schenke, wenn ihr nichs anderes einfalle. https://comeonbaehr.wordpress.com/…/15-j-r-moehringer-tend…/ Ich verstehe ja gar nicht, wie man als Mann n i c h t lesen kann, wenn's noch Autoren wie Cormac McCarthy, Irvine Welsh, George R.R. Martin oder Junot Díaz gibt, von den großartigen Sachbüchern (Fußballbücher von Schulze-Marmeling und Hardy Grüne z.B.) da draußen ganz schweigen. Ein gerade in die Schlagzeilen gekommener Münchner Arzt hat mal ein Buch mit dem Titel "Mensch, beweg dich!" geschrieben. Ich rufe: "Mann, hör nicht auf zu lesen!"

Tuesday, April 7, 2015

Literaturtage Bregenz

Ich dachte ja bisher, wenn mehrere Autoren aufeinandertreffen, gäbe es ein Kettensägenmassaker, Wetttrinken oder endlose Stille, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Bei den 1. Literaturtagen, veranstaltet von Susanne Denk, Direktorin des Hotels Schwärzler, Theater Kosmos und Literatur Vorarlberg, trafen sich zwölf Autoren mit Wolfang Mörth, Hubert Dragaschnig und Katharina Leissing, und wir haben diskutiert, gelesen, gelacht, gegessen, getrunken ... Schade, dass es sowas nicht schon früher mal gegeben hat. Die Fotos stammen von der Lesung am Samstagabend, an dem jeder Autor eine zweiseitige Kurzgeschichte präsentieren musste, in denen die Worte “Salz”, “Notbeleuchtung” und der erste Satz eines deutschen Tonfilms “Ich spare nämlich auf ein Pferd” vorkam. Kingt ein bisschen nach Schularbeit Deutsch, 4. Klasse, und machte doch großen Spaß. (Auf den Fotos von oben nach unten: Fabian Oppenolzer, André Pilz, Bejamin Quaderer, Maya Rinderer)




Thursday, April 2, 2015

Literaturtage 2015

Am Samstag (18 Uhr 30) gibt es bei den Literaturtagen in Bregenz nicht nur einen Aperitif, sondern auch dreizehn kurze Texte verschiedener Autoren zum Thema "Gast". In meinem Text geht's um donkey-shows in Tijuana. Arriba, arriba, ándale, epa!

Sunday, March 29, 2015

Alles gratis, bitte!

Wir wollen gratis Bücher, gratis Lieder, gratis Journalismus, und empören uns, wenn das Niveau ins Bodenlose fällt*





(*was freilich nicht die z.T. verheerend schlechten Talkshows mit Pseudoexperten in den öffentlich-rechtlichen Gebührensendern erklärt)

Thursday, March 12, 2015

4 Jahre Massenmord

video
Vor 4 Jahren begann der Aufstand gegen den Diktator Assad - der Traum von einem arabischen Frühling in Syrien endete in der totalen Katastrophe.